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Die Appetitlosigkeit |
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Die
sieben Todsünden von Hieronymus Bosch (Heptalogie)
1.
DIE APPETITLOSIGKEIT
Ein
Stück von Rafael Spregelburd Übersetzung
aus dem argentinischen Spanischen von
Dieter Welke Die
sieben Todsünden von Hieronymus Bosch 1.
Die Appetitlosigkeit Ein
Stück von Rafael
Spregelburd Übersetztung:
Dieter Welke
Die
Personen des Stückes
1. FRAU
PERROTTA und IHR MANN sitzen am Tisch. Sie essen wenig oder haben (gerade)
aufgehört zu essen. Ein laufender Fernseher verschärft die Pausen mit seinem
Elektrosmog. FRAU
PERROTTA: Das von gestern habe ich dir doch erzählt? MANN:
Ich glaube schon. Pause FRAU
PERROTTA: Ich glaube, ich habe es dir nicht erzählt Pause FRAU
PERROTTA: Ich kam müde nach Hause. Pause FRAU
PERROTTA: Gestern abend war ich weg. Deshalb möchte ich wissen, ob ich es dir
schon erzählt habe. Hast du nie an Adoption gedacht? MANN:
Ja, doch. FRAU
PERROTTA: Wir könnten ein Kind haben. Komplikationslos. Ich habe an Adoption
gedacht in letzter Zeit. MANN:
Wie du meinst. FRAU
PERROTA: Ja ja. Ein Vater will lieber ein echtes Kind. MANN:
Ist mir gleich. FRAU
PERROTA: Willst du das bestreiten? Immerhin bin ich die Mutter, ich habe das
Recht, ein paar Dinge zu sagen. MANN:
Ist mir egal. Es kann eine Adoption sein. Pause MANN:
NaGut. Sag, was du sagen wolltest. Pause FRAU
PERROTTA: Geht schon vorbei. Ich habe mich nur blöde begeistert. Einen
Augenblick lang. Ich stellte mir die Adoption vor, die Formalitäten, all das.
Bei einer Adoption kann man das Geschlecht des Kindes auswählen. Zum Beispiel.
Wir könnten ein Mädchen bekommen, das wäre wirklich ein Segen. Ich dachte,
darüber könnten wir reden. MANN:
Gut. FRAU
PERROTTA: Nein, laß sein... Ich habe vielleicht einen Hunger! MANN:
Nein, wenn wir verschiedener Meinung sind, dann müssen wir das austragen.
Irgendwann. Ich bin für etwas und
du dagegen, so ist es. Ich bin nicht in der Stimmung, irgend etwas
aufzuschieben. FRAU
PERROTTA: Das ist doch überspannt. Ich bin nicht auf Scheidung aus. MANN:
Alles nicht nötig. Übertreibe nicht. In der Ehe muß man bestimmte Dinge
austragen. Das ist normal. Auch wenn es schmerzt, sag ich. Immerhin, wir reden
von Adoption und nicht vom Krieg in Bosnien, nicht? FRAU
PERROTTA: Du sagtest doch, es sei dir egal. MANN:
Nein. Ich sagte, es ist in Ordnung. Ich habe sogar zugegeben, daß auch ich oft
an Adoption dachte. Pause FRAU
PERROTTA: Ja und? Worüber redest du? Pause MANN:
Na ja, ich glaubte, man könnte drüber reden. FRAU
PERROTTA: Ja Pause FRAU
PERROTTA: In Bosnien oder Serbien? Pause FRAU
PERROTTA: Verzeihung. Wir sind also einer Meinung. Wir können es adoptieren. MANN:
Ja Pause MANN:
Hast du keinen Hunger mehr? Was hast du gesagt? FRAU
PERROTTA: Ich könnte ein ganzes Kind aufessen. MANN:
Ich kann ja Nudeln machen. Und ein bißchen mehr Omelette. FRAU
PERROTTA: Nein, laß sein. Ich habe zuviel gegessen. MANN:
Ich auch FRAU
PERROTTA: Das ist Jugoslawien, nicht wahr? Pause FRAU
PERROTTA: Wir haben noch Orangen. MANN:
Mmm, gut! Ex-Jugoslawien. FRAU
PERROTTA: Willst du welche? MANN:
Nein. Nein danke. Nachher kaufe ich mir eine Tafel Schokolade. FRAU
PERROTTA: Haben wir hier. MANN:
Mmm. Pause FRAU
PERROTTA: Wann soll die Adoption sein? MANN:
Ich denke an Vieles. FRAU
PERROTTA: Wann? MANN:
Unter anderem stelle ich mir Wohnung vor, mit ein oder zwei Kindern,
kleine Kinder. Klitzeklein. Die in den Kindergarten gehen, die ihre Prüfungen
bestehen und sich um uns kümmern, wenn wir alt sind. Die uns ernähren. FRAU
PERROTTA: Ich bin noch jung. MANN:
Klar. Ich habe auch an was anderes gedacht. FRAU
PERROTTA: Du müsstest Sport treiben. Tennis, oder so. Deshalb denkst du soviel.
Weil du nichts nützliches tust. Pause MANN:
Gehst du aus? FRAU
PERROTTA schaut ihn erstaunt und schweigend an. Dann nach einer Weile: FRAU
PERROTTA: Ich gehe aus. Ich gehe. Also gut. Ich gehe. 2. FRAU
PERROTTA, in einem Büro. EIN
ANGESTELLTER: Wollen Sie sich nicht setzen? FRAU
PERROTTA: Ist mir egal. ANGESTELLTER:
Sie wollten mich sprechen? FRAU
PERROTTA: Ja. Sehen Sie hier dieRechnung, die ist von Ihnen. ANGESTELLTER:
Ja. FRAU
PERROTTA: Ja, genau. ANGESTELLTER:
Ich verstehe nicht. FRAU
PERROTTA: Sie verstehen sehr wohl. ANGESTELLTER:
(schließt die Tür.) Man hat mir gesagt, sie hätten Krach geschlagen am
Schalter. Aber die Rechnung ist korrekt. FRAU
PERROTTA: Ja ich weiß, sie ist korrekt. Geben Sie sie mir bitte, sie könnte
verlorengehen. (Sie steckt sie in ihre Handtasche.) Pause ANGESTELLTER:
Und? FRAU
PERROTTA: Genau. Hier bin ich. ANGESTELLTER:
Es ist nicht zuviel berechnet worden, die Adresse stimmt auch, Ihr Name ist
korrekt... Sie sind Frau Perrotta. FRAU
PERROTTA: Mein Name tut nichts zur Sache. Ich ziehe es vor, anonym zu bleiben,
in solchen Fällen. ANGESTELLTER:
In welchen Fällen? FRAU
PERROTTA: Machen Sie es nicht noch schwerer. Ich weiß, wer Sie alle sind, da müssten
Sie eigentlich auch wissen, was ich will. ANGESTELLTER:
Wir? FRAU
PERROTTA: Ich sage nichts mehr. Wenn ich mich geirrt hätte, hätten Sie mich
rauswerfen können. Ich will es ausprobieren. Ich weiß, daß Sie neue
Mitglieder aufnehmen. ANGESTELLTER:
Warum sagen Sie nicht, was Sie wollen? FRAU
PERROTTA: Nein, ich sage nichts mehr. Aus Scham. Ich hoffe, Sie sagen mir, was
ich zu tun habe. Vermutlich treiben Sie es nicht gerade hier, im Büro. ANGESTELLTER:
Möchten Sie einen Kaffee. FRAU
PERROTA: Ja. ANGESTELLTER:
(betätigt die Durchsprechanlage.) Sara. (Setzt sich mit verschränkten
Armen auf den Schreibtisch und stützt den Kopf auf die Arme.) Pause SARA:
Hallo. FRAU
PERROTTA: Hallo SARA:
Ich bin Sara. FRAU
PERROTTA: Angenehm. Pause SARA:
Und? ANGESTELLTER:
Ich weiß nicht. Sie... FRAU
PERROTTA: Keinem von uns Dreien fällt es leicht, darüber zu sprechen. Das
beruhigt ein bißchen. Ich kam mit solcher Angst. Ich bin eine normale Frau. Wie
sie alle, vermutlich. Ich lebe mit meinem Mann. Und mit meiner Familie. Manchmal
gehe ich aus. Ich habe Freundinnen. Die sind auch normal. Alle haben wir Scham.
Meine Freundinnen sind auch verheiratet, manchmal sind sie ihren Männern untreu
geworden. Wir haben keinen Gruppensex gehabt. Mein Mann ist ein bißchen starrköpfig.
Verzeihen Sie, aber einer mußte ja anfangen, davon zu reden. SARA:
Nein, bitte, fahren Sie fort. FRAU
PERROTTA: Andererseits sind wir sehr unabhängig. Auch unsere Kinder erziehen
wir zur Unabhängigkeit, dann können sie später zwischen Gut und Böse wählen.
Außerdem, wenn es sich um die Lust handelt... SARA:
Um Sex, reden Sie nur. Kein Problem. FRAU
PERROTTA: Ja, genau. Da kann man nicht behaupten, daß das eine gut ist und das
andere böse. SARA:
Wieviele Kinder haben Sie? FRAU
PERROTTA: Ja. Es gibt Dinge, die sollte man besser... Für den Fall, daß... Sie
verstehen schon. Ich könnte jetzt auch meine Handtasche nehmen und durch diese
Tür gehen, so wie ich hereingekommen bin, und wir haben uns nie gesehen. Ich
weiß noch nicht mal, wie Sie beide heißen. SARA:
Sara. FRAU
PERROTTA: Das sagen Sie. Darf ich Sie duzen? ANGESTELLTER:
Ihr Name steht auf der Rechnung, Frau Perr... FRAU
PERROTTA: Sprechen Sie ihn nicht aus. Machen Sie das nicht kaputt. Ein Name
bleibt ein Name. Manche Namen sind noch nicht mal das, es sind Ehenamen, Namen
von anderen. SARA:
Bleiben wir geduldig. Was wollen Sie eigentlich sagen? FRAU
PERROTTA: Ich weiß, Sie organisieren hier... diese Praktiken.. SARA:
Sadomasopartys? Pause FRAU
PERROTTA: Meine Freundinnen haben Sex miteinander gehabt, sogar mit Unbekannten,
Männern und Frauen. Wir haben viel darüber geredet., wenn wir zusammen waren.
Es ist gut so. SARA:
Und ihre Freundinnen haben Ihnen gesagt, daß Sie hierher kommen sollen. FRAU
PERROTTA: Ich wäre lieber mit meinem Mann gekommen. Aber der wollte nicht. Er
schämt sich bestimmt. Er schämt sich, wenn ich dabei bin. Wir haben schon seit
langem keine normalen Beziehungen. Von außen gesehen, kann man denken, wir führten
eine sehr glückliche Ehe. Heute hatten wir eine schlimme Diskussion, beim Frühstück.
Wir sprachen über schmerzliche Dinge, Dinge, die schon viele Jahre dauern. Er
gab mir zu verstehen, daß ich viel schneller altere als er. Das stimmt. Er
treibt Sport, ich vermute sogar, daß er ein sehr aktives Sexuallebenhat, natürlich
außerhalb der Ehe. Ich dagegen mache gar nichts. Abgesehen von den Treffen mit
meinen Freundinnen. SARA:
Arbeiten Sie nicht? FRAU
PERROTTA: Ich habe gearbeitet. Aber dann wurde ich schwanger, mit meinem ersten
Kind, da mußte ich es sein lassen, dann kam das zweite, schneller als ich
dachte, sie können sich das vorstellen. Ich blieb zu Hause, abgesehen von den
Treffen mit meinen Freundinnen: Magalí und Romita. Ich möchte harten Sex
ausprobieren, ich möchte, daß sie mich auf einem Tisch festbinden und in die Möse
beißen. Ich möchte mir Lederklamotten anziehen, ich möchte die Peitsche
schwingen. Ich möchte Männer und Frauen züchtigen, mit Schmerzen und ohne. In
dieser Hinsicht habe ich viel Phantasie. SARA:
Seit wann? FRAU
PERROTTA: Eine gute Frage. ANGESTELLTER:
Möchten Sie ein Glas Wasser? FRAU
PERROTTA: Ja, bitte. ANGESTELLTER:
(betätigt die Sprechanlage) Virgilio. FRAU
PERROTTA: Und Sie? Haben Sie Familie? SARA:
Ja, wir wohnen weiter draußen, zum Flughafen hin. FRAU
PERROTTA: Ja. Meine Wohnung ist nichts besonderes, aber für uns langt sie, zur
Zeit. VIRGILIO
kommt herein. ANGESTELLTER:
Ah, Virgilio, kommen Sie herein. FRAU
PERROTTA: Hallo. ANGESTELLTER:
Also, wir lassen sie jetzt beide ein Weilchen allein. Wenn Sie was brauchen, können
Sie uns rufen. Wir sind nebenan. SARA:
Ciao, bis dann. FRAU
PERROTTA: Ciao Sara, bis dann. ANGESTELLTER:
Wir sehen uns gleich. SARA
und der ANGESTELLTE gehen hinaus. Vergilio stellt sich vor FRAU PERROTTA, die
auf ihrem Platz sitzen bleibt. FRAU
PERROTTA: Virgilio also, ja? Man man hat mir viel von Ihnen erzählt. Sie kennen
vielleicht auch meinen Mann. Ein liebenswerter Mensch, ungefähr 45 Jahre alt.
Brillenträger. Ein Meter siebzig. Sehr elegant gekleidet. Heute morgen noch hat
er zu mir gesagt: „Wenn du Virgilio siehst, oder wenn man ihn dir vorstellt,
dann grüße ihn von mir und richte ihm aus, daß ich ihm das von neulich
besorgt habe“. Nein, „was neulich bei Horacio liegengeblieben ist.“ Horacio ist ein Freund von ihm, er hat eine Villa,
feines Viertel. Er geht da oft hin, weil es dort einen Tennisplatz gibt. Also,
ich gehe davon aus, daß Sie wissen, wer Horacio ist, Sie kennen sich bestimmt
alle, sag ich mal. Und wie! Ich weiß nicht, ob ich da eine Woche verbringen könnte,
...weiß ich nicht ... wo es doch das erste Mal ist, vielleicht besser ein
langes Wochenende. Jetzt im Juni gibt es zweimal ein langes Wochenende. Sag ich
mal, wegen der Zeit. Weil ich doch werktags in der Schule arbeite. Um es
auszuprobieren, nicht? Vielleicht gefällt es mir überhaupt nicht. Mein ältester
Sohn, kennen Sie den? Der ist bestimmt manchmal dabeigewesen, zusammen mit
meinem Mann. Ich spreche nicht mehr mit ihm, seit langem, Wir haben uns
auseinandergelebt, sag ich. Ich habe ihn bestimmt schlecht beurteilt, wie alle Mütter,
ich habe meine Nase in Dinge gesteckt, die mich nichts angingen. Na ja, diese
Manie der Eltern, sich verantwortlich zu fühlen für die Moral ihrer Kinder.
Als wären wir nicht alle unabhängig. Nicht wahr? Aber mit Kindern ist das
schwierig. Ich habe zwei Jungen. Den jüngeren haben Sie nicht kennengelernt,
glaube ich. Nie. Hätte ich sie bloß nicht bekommen. Haben Sie Kinder,
Virgilio? Sind Sie sterilisiert? Verzeihen Sie mir die Frage, sie hat nichts
damit zu tun, aber mir fällt gerade ein, daß sie trotzdem irgendwie mit
anderen Fragen verbunden ist, die sehr wohl etwas mit der Sache zu tun haben; es
wäre unhöflich, wenn ich gleich am Anfang sie nach viel gewagteren Dingen
fragen würde, oder nach Details. Na ja, egal, wenn Sie sich eines Tags
entscheiden, ein Kind zu haben und nicht können, sag ich mal, dann bleibt Ihnen
noch die andere Möglichkeit. (Lange Pause) Es gibt immer eine andere Möglichkeit,
Virgilio. (Black) 3. FRAU
PERROTTA auf einem Platz. Ein Zigeuner. ZIGEUNER:
Tag FRAU
PERROTTA: Tag. ZIGEUNER:
Zeigen Sie mir Ihre Hand. FRAU
PERROTTA: Ich zeig sie Ihnen, junger Mann, ich zeig sie Ihnen. ZIGEUNER:
Ihre Zukunft ist klar, voller Wege in alle möglichen Richtungen, Wünsche,
Phantasien, ich sehe ein Schwein, liebenswert und mit großen Ohren, an einem
Scheideweg des Lebens, und eine intelligente, reife Entscheidung. Sie werden
hundert Jahre leben, tausend,
soviel sie wollen, vorausgesetzt, Sie finden keinen Geschmack daran. Sie sind
eine tief veranlagte Frau. Welches Sternzeichen haben Sie? FRAU
PERROTTA: Das ist nicht wichtig. Kommen Sie, setzen Sie sich, reden Sie weiter,
das tut mir sehr gut. ZIGEUNER:
Ich weise Sie darauf hin, daß das alles gelogen ist. FRAU
PERROTTA: Das weiß ich. Ich werde es Ihnen trotzdem bezahlen. ZIGEUNER:
Gut. Was wollen Sie hören? FRAU
PERROTTA: Sprechen Sie mir davon, wie glücklich ich mit meiner Tochter Leila
sein werde. ZIGEUNER:
Ist es die da? FRAU
PERROTTA: Die auf der Schaukel. Ist sie nicht wundervoll? Manchmal weiß ich
nicht, ob ich mit ihr glücklich
werde. Ich sehe sie und kenne sie nicht. ZIGEUNER:
Ja. Wundervoll. Leila wird Protestantin werden. Sie wird ein Reisebüro
aufmachen. Sie werden sehr glücklich sein, zusammen. FRAU
PERROTTA: Protestantin? ZIGEUNER:
Jetzt nur, weil sie Ihre Tochter ist. Sie wiegt sich glücklich in ihrer
Schaukel, wie ein Pendel, im Glauben, daß ein und derselbe Gott sie mit ihren
Eltern vereint. Im Gymnasium, an einem Dienstag den zwanzigsten, in einigen
wenigen Jahren, wird eine Lehrerin mit spanischem Namen ihr von Luther erzählen.
Leila greift zwanghaft zum Geschichtsbuch. Sie findet unvollständige,
verstreute Angaben, ein Studentenreferat über die Reformation. Ein ungenaues
Referat. Trotzdem, an diesem Dienstag beginnt das Fieber: ein ungeheurer
Wissensdurst überfällt sie, sie sucht nach mehr Information. Sie studiert
Deutsch mit einem Stipendium, das Ihr Mann und Sie ihr verschaffen. FRAU
PERROTTA: Mein Mann? ZIGEUNER:
Sie liest direkt in den Quellen und konvertiert. Deshalb wird sie aber nicht zum
Ungeheuer, keineswegs. Ihre Aktivitäten, ihr Gefühlsleben, ihre musikalischer
Geschmack wird davon nicht beeinträchtigt. Aber sie engagiert sich
leidenschaftlich und findet darin ihr Glück. FRAU
PERROTTA: (mit Tränen in den Augen) Danke. ZIGEUNER:
Ist Ihnen nicht gut? FRAU
PERROTTA: Ich wußte, es ist gelogen, aber was ich nicht wußte, ist, daß ich
es so schnell merke. Ich schenke Ihnen Leila. ZIGEUNER:
Das Kind? FRAU
PERROTTA: Nehmen Sie sie mit. Ich mag sie nicht. ZIGEUNER:
Wirklich? FRAU PERROTTA: Die da, auf der Schaukel. Erziehen Sie sie, wie Sie wollen, eben so wie Zigeuner ihre Kinder erziehen. Ich kann nicht überall sein. Nehmen Sie sie mit, bevor sie merkt, daß ich mich verziehe, und mit mir nach Hause gehen will, wie ein kleiner Hund. Na, nehmen Sie sie schon. Ihren Vornamen ändern sie bitte nicht. Sie heißt Leila. Ihren Familiennamen können Sie ihr ja geben, wenn Sie wollen. Aber nennen Sie sie immer Leila. Ihr Vorname ist das einzige, was sie ist. Sie ist gar nicht dumm, sie antwortet schon, wenn man sie mit diesem Namen ruft. Wiedersehen. Um
das ganze Stück zu lesen, bitte schreiben Sie an den Autor. |
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